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Jun 17 2021

Zwei Jahre Selbstständigkeit – oder mein persönliches New Normal

Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und digitale Kommunikationstools: Was das sogenannte New Normal ausmacht, die Post-Corona-Arbeitswelt, gehört für mich seit 2019 zum Arbeitsalltag. Auf den Tag genau vor zwei Jahren habe ich mich selbstständig gemacht. Hier kommen meine Gedanken zu meinem persönlichen New Normal.

Der 17. Juni 2019 ist mir noch ziemlich gut in Erinnerung. Es war ein sehr sonniger, warmer Tag wie heute, als ich die Gründungsunterlagen beim Notar in der Münchner Innenstadt unterzeichnete. Am Abend feierte ich den Start in die Selbstständigkeit mit ein paar Freunden. Für mich war es vor allem: ein Neuanfang mit mehr Achtsamkeit.

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Bild meiner Gründungsfeier mit Freunden am 17.06.2019.

Ich hatte gerade eine schwierige persönliche Phase durchgemacht. Und es dauerte eine Weile, bis ich mich davon erholte. Mehr Freiheit, mehr Flexibilität und Zeit für mich, Familie und Freunde waren die Hauptgründe, warum ich mich selbstständig machte.

Die Idee ging mir davor schon lange Zeit im Kopf herum. Ich kann mich daran erinnern, dass ich schon als Jugendliche vorhatte, mich eines Tages selbstständig zu machen. Vielleicht kommt das daher, dass es in unserer Familie ein paar Unternehmer gibt. Das „Unternehmer-Gen“ könnte mir also in die Wiege gelegt worden sein. 😉   

Besonders in der herausfordernden Phase vor der Selbstständigkeit machte ich mir viele Gedanken, was ich eigentlich wollte und wohin die berufliche Reise gehen sollte.

Seit Jahren hatte ich von guten Bekannten und Freunden gehört: „Caroline, mach dich doch selbstständig. Das würde gut zu dir passen.“ Bald war mir klar: Das ist mein Weg! Ich arbeitete einen Businessplan aus und entwickelte Ideen für die nächsten Jahre.

An diesem heißen Sommertag im Juni konnte ich noch nicht ahnen, was mich in den nächsten zwei Jahren erwarten würde. Auch nicht, dass ein Virus die Welt bald auf den Kopf stellen würde.

Gewappnet fürs New Normal

Doch Corona – und damit vor allem die stark veränderten Arbeitsbedingungen – erwischte mich im Frühjahr 2020 nicht kalt. Ich war vorbereitet: In den ersten Monaten meiner Selbstständigkeit hatte ich mein persönliches New Normal, ein neues Leben und Arbeiten nach der Krise, schon seit Monaten im Kleinen umgesetzt.

Von jetzt auf gleich zwang das Virus 2020 viele Menschen ins Homeoffice. Für mich als Selbstständige änderte sich: so gut wie nichts.

Ich hatte meine Kunden von Anfang an vom heimischen Büro – oder auch mal von unterschiedlichen Orten – aus betreut und meinen Arbeitsalltag schon komplett darauf ausgerichtet. Ich arbeitete zu flexiblen Zeiten und nutzte ein Set digitaler Tools, beispielsweise für Kommunikation, Marketing, Projektmanagement und Buchhaltung.

Nur persönliche, physische Treffen waren nun natürlich nicht mehr möglich. Aber dafür gab es ja Tools wie Zoom, Skype oder Teams. Workshops und Coachings ließen sich – mit ein bisschen Übung – recht unkompliziert darüber durchführen.

Auch das Arbeiten in Remote-Teams, unterstützt durch digitale Tools, war mir nicht neu: Schon während meiner früheren Agenturtätigkeit arbeitete ich teilweise in ortsunabhängigen Teams. Die damals gesammelten Erfahrungen haben mir besonders in der ersten Zeit der Selbstständigkeit sehr geholfen.

Ich konnte mein Know-how, wie sich Content Marketing mit Remote-Teams umsetzen lässt – welche Rollen, Tools und Prozesse es braucht –, direkt in die Kundenprojekte einbringen. Vor allem bei meinen Kunden, die ich langfristig betreue und die tatsächlich alle überwiegend in ortsunabhängigen Teams arbeiten (auch schon vor Corona), hat sich das bis heute bewährt.

Doch die neuen Formen der Zusammenarbeit des New Normal haben auch ihre Tücken und Herausforderungen. Damit die neue Arbeitsweise funktioniert, braucht es bestimmte Voraussetzungen. Ich habe hier mal einige meiner Erkenntnisse gesammelt.

Meine Erkenntnis 1: New Normal erfordert Pausen.

Tage, an denen ein Online-Meeting das nächste jagt, vielleicht auch im Wechsel mit Telefonaten, können ziemlich auslaugen.

Als Selbstständige addieren sich zum eigentlichen Projektgeschäft dann noch unterschiedliche To-dos wie:

  • Eigenmarketing,
  • Posten auf Social Media,
  • Austausch mit der Community und mit Kooperationspartnern,
  • Buchhaltung,
  • Kundenakquise,
  • Schreiben von Angeboten
  • und was sonst noch zum Alltag einer Selbstständigen gehört.

Das kann ganz schön an die Substanz gehen.

Muss es aber nicht. Ich habe mir seit ein paar Jahren angewöhnt, regelmäßig Pausen einzulegen, mehr auf meinen Körper zu hören und die Wochenenden von Arbeit frei zu halten. Viel Bewegung, gute Ernährung und Qualitätszeit mit Familie und Freunden gehören für mich auch zu meinem persönlichen New Normal dazu. Dadurch bin ich viel produktiver, habe frische Ideen und mehr Energie.

Ich gebe zu: Am Anfang der Selbstständigkeit hat es mit den regelmäßigen Pausen und freien Wochenenden noch nicht so gut geklappt. Besonders in der Startphase gab es viel zu tun, bis das Business anlief und ich bestimmte Prozesse etabliert hatte. Aber mit der Zeit arbeitete ich dann schneller und effizienter.

Inzwischen schaffe ich es so gut wie immer, meine Wochenenden frei von Arbeit zu halten. Es sei denn, ich nehme mir unter der Woche mal einen Tag frei. Dann arbeite ich auch mal am Samstag. Der Sonntag ist mir aber heilig – das ist mein Ruhetag.

Meine Erkenntnis 2: New Normal setzt Selbstmanagement und -disziplin voraus.

Selbstmanagement, -organisation und -disziplin sind im Homeoffice – und noch mehr als Selbstständige – das A und O. Ich kann und muss mir meine Arbeit selbst einteilen und bin meine eigene Chefin. Ich fülle mehrere Rollen gleichzeitig aus – und darf mich dabei nicht verzetteln. Projekte und Deadlines, meine eigenen und die meiner Kunden, muss ich immer alle im Blick behalten.

Glücklicherweise bin ich sehr strukturiert und die geborene Planerin. Zu meinen Stärken gehört es, Dinge zu organisieren, zu sortieren und zu priorisieren. Ich behalte das „große Ganze“ gut im Blick, setze mir Jahres-, Monats-, Wochen- und Tagesziele und bin recht diszipliniert. Trotzdem habe auch ich nur begrenzte Kapazitäten. Aber dazu später.

Meine Erkenntnis 3: New Normal funktioniert nur mit regelmäßigem Austausch.

Als Selbstständige im Homeoffice habe ich keine Kollegen, mit denen ich mal schnell zu einer Idee brainstormen oder die ich bei einer Tasse Kaffee um Rat fragen kann. Doch so ganz ohne Austausch funktioniert es auch nicht. Ich koche sonst zu sehr mein eigenes Süppchen.

Sich mit anderen über die eigenen Ideen auszutauschen, sich Feedback einzuholen, die Ideen kritisch zu hinterfragen, ist wichtig. Viele großartige Ideen entwickeln sich erst im Austausch mit anderen, beispielsweise in Brainstorming-Sessions.

Ich erinnere mich noch gut an bestimmte Brainstormings aus Agentur-Zeiten, an eines besonders gut: Im Team entwickelten wir damals innerhalb kürzester Zeit unterschiedliche Ideen für den Kampagnen-Slogan eines Konzern-Kunden. Das klappte so gut, weil wir mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und unterschiedlichen Muttersprachen – Deutsch, Englisch und Portugiesisch – zusammensaßen. Jeder mit seiner individuellen Perspektive und seinen (kulturellen) Erfahrungen. Daraus entstanden dann die kreativsten Ideen – und Slogans.

Wo die Brainstorm-Buddys fehlen, braucht es Alternativen: Ich habe deshalb von Anfang an mein Netzwerk aus- und aufgebaut. Mich mit bestehenden Kontakten virtuell oder persönlich getroffen, unterschiedliche Coworking-Spaces und Netzwerkveranstaltungen besucht und mich über Social Media gezielt mit passenden Menschen vernetzt. Und dabei viele wunderbare Menschen kennen gelernt.

Besonders schön ist es auch, mich mit ehemaligen Kollegen auszutauschen, die sich in den letzten Jahren wie ich selbstständig gemacht haben. Mit einigen arbeite ich auch in Projekten zusammen.

Meine Erkenntnis 4: New Normal benötigt Teams mit digitalen Kompetenzen.

Ich habe es oben schon erwähnt: Jeder hat begrenzte Kapazitäten. Und jeder hat seine Gaben und Erfahrungen. Darüber hatte ich in meinem Beitrag 5 Learnings aus einem Jahr als Digitalstrategin letztes Jahr schon geschrieben. Ich habe mir deshalb seit meinem Start in die Selbstständigkeit Unterstützung geholt: Für die Buchhaltung, für das Bauen meiner Website, für mein Corporate Design und für unterschiedliche Kundenprojekte.

Vor ein paar Monaten habe ich dann aber gemerkt: Das reicht nicht. Mein Business ist mit der Zeit so gewachsen, dass es Zeit wurde für eine Unterstützung. Wichtig waren mir dabei vor allem digitale Kompetenzen. Dazu gehört für mich, wie selbstverständlich mit digitalen Tools und Technologien umzugehen, remote produktiv und selbstständig arbeiten zu können, die digitale Welt und damit auch Social Media zu verstehen – und sich mit der Content-Marketer-Brille in diesen Bereichen zu bewegen.

Seit Anfang Mai ist meine neue Mitarbeiterin nun an Bord. Sie ist wie ich in der Social-Media-Welt daheim und unterstützt mich vor allem redaktionell, im visuellen und im Multimediabereich. Auf meinen sozialen Netzwerken werde ich sie demnächst vorstellen. Stay tuned! 😉

Meine Erkenntnis 5: New Normal schärft den Blick fürs Positive.

Danken schützt vor Wanken: Das habe ich besonders im Corona-Jahr gelernt, aber auch in der schwierigen Lebensphase, durch die ich davor gegangen bin. Schaue ich auf das, wofür ich dankbar bin, tritt das Negative gleich in den Hintergrund.

Wenn ich jetzt auf die letzten zwei Jahre meiner Selbstständigkeit zurückblicke, bin ich für Vieles sehr dankbar:

🙏 Ich habe viel Neues gelernt, habe mich persönlich und fachlich weiterentwickelt,

🙏 viele tolle Projekte umgesetzt,

🙏 wunderbare Menschen kennen gelernt,

🙏 war zu Gast in unterschiedlichen Podcasts – hier und hier – und Speakerin bei Events,

🙏 durfte Gastbeiträge schreiben, Expertentipps für eine Social-Media-Studie geben, war Teil der Forschungsarbeit einer Münchner Hochschule

🙏 und durfte nach einem erfolgreichen Beratungsprojekt für ein Startup-Accelerator-Programm ein Interview zum Thema Content Marketing für Startups geben.

Dankbar bin ich auch für

🙏 mein Netzwerk, meine tolle Community (vor allem auf Twitter und LinkedIn),

🙏 Kunden, die ich seit über einem Jahr beim Content Marketing begleiten darf,

🙏 meine Kooperationspartner,

🙏 meine Freunde und Familie für ihre Unterstützung, ihr offenes Ohr und die Ermutigung – besonders, wenn die Dinge mal nicht so liefen, wie ich es mir vorgestellt hatte –

🙏  und für meine erste Mitarbeiterin, die ich in nächster Zeit vorstellen werde.

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Danke an meine Kunden, Kooperationspartner, mein Netzwerk, meine Social-Media-Community, meine Familie und Freunde.

Ich bin gespannt, wohin die Reise noch geht!

Eure/Ihre Caroline

Sie brauchen Unterstützung beim Content Marketing? Kontaktieren Sie mich!

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